Triebwerk München: Sandlinsen und neue Winterquartiere für die Zauneidechse

Die naturschutzfachlich hoch bewerteten Biotopflächen im Triebwerk München, dem ehemaligen Ausbesserungswerk (AW) der Deutschen Bahn in Neuaubing, werden ausgebaut und nachhaltig aufgewertet. Wie die aurelis als Grundstückseigentümerin mitteilt, beginnen in diesen Tagen umfangreiche Arbeiten zur Pflege des sogenannten Gleislagerbiotops. Ziel ist es, die ökologisch
wertvollen Magerrasenflächen instand zu halten, zusätzliche Biotopflächen und neue Vernetzungskorridore zu schaffen sowie die Lebensräume der teilweise streng geschützten Tiere und seltenen Pflanzen auf dem Gelände zu verbessern.

Die Maßnahmen sind Teil des Bebauungsplans zur Umstrukturierung des insgesamt 400.000 Quadratmeter großen Areals in Neuaubing. Sie finden in enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern, der Stadt München und dem Bund Naturschutz statt. „Insgesamt bleiben 41 Prozent der Gesamtfläche der Natur vorbehalten“, so Norbert Wögler, Leiter der Projektentwicklung der aurelis in München. „Die Kosten für die aktuell anstehenden und bereits umgesetzten Naturschutz-Maßnahmen belaufen sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Wir haben uns außerdem verpflichtet, für die nächsten 20 Jahre sämtliche Kosten für Pflege und Schutz der Biotope zu tragen.“

Das Gleislagerbiotop umfasst eine Fläche von 135.000 Quadratmetern und ist von bayernweiter Bedeutung. Rund 10 Prozent der Fläche wurden für die Verlagerung der Tennisanlage des ESV Neuaubing benötigt. Dieser Verlust wird durch die Aufwertung des alten Standorts und weitere Ausgleichsmaßnahmen an der Langwieder Heide kompensiert. Zusätzlich werden 109.000 Quadratmeter Biotopflächen auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks Neuaubing in ein Naturschutzgebiet umgewandelt.

Neue Lebensräume für die Zauneidechse

Eine wichtige Rolle bei den anstehenden Pflege- und Ausgleichsmaßnahmen spielt die Zauneidechse (lat. Lacerta agilis), eine nach den Naturschutz- Richtlinien der Europäischen Union streng zu schützende Spezies, die in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Gleich eine ganze Reihe sogenannter CEF-Maßnahmen („Continuous Ecological Functionality Measures“) widmet sich dem Schutz und der Förderung dieses seltenen Reptils, dessen Bestand auf dem Areal von Experten auf derzeit ca. 100 Tiere geschätzt wird. Nachdem in den vergangenen Monaten bereits an verschiedenen Stellen vorhandene Gehölzbestände aufgelichtet wurden, um neue Lebensräume für die vorhandene Population zu schaffen, steht nun der teilweise Rückbau des
ehemaligen Parkplatzes im westlichen Teil des Areals an. Fachfirmen wurden beauftragt, das Pflaster aufzubrechen, den Untergrund zu lockern sowie die alten Abwasserschächte und Straßenlaternen zu entfernen. Anschließend werden Pflanzensoden aus den zukünftigen Gewerbegebieten auf das Areal verpflanzt. Spezielle Sandlinsen zur Ei-Ablage und gezielt im Boden eingebaute Winterquartiere sollen die Qualität des Habitats für die Zauneidechsen zusätzlich steigern.

Auch die Vernetzung des Gleislagerbiotops mit weiteren, für Zauneidechsen potenziell attraktiven Habitatflächen innerhalb des Stadtgebietes wird nun voran getrieben. Neu geschaffene Korridore mit entsprechend aufbereiteter Vegetation sollen den Tieren Wanderungen in bislang nicht besiedelte Bereiche innerhalb des Geländes bis zur nahe liegenden S-Bahntrasse ermöglichen. Am Gleisbett entlang sollen die Tiere dann auf Magerrasenflächen in Freiham und im Pasinger Gleisdreieck gelangen. Vor einigen Monaten war hierzu auch eine im Auftrag der Stadt München erstellte Zauneidechsen-Querungshilfe an der Centa-Hafenbrädl-Straße in Betrieb genommen worden, die den Tieren eine Unterquerung der Erschließungsstraße in das Triebwerk München ermöglichen soll. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt: Bei Kontrolluntersuchungen im Anschluss an die bereits vorgenommenen CEF-Maßnahmen wurden ein Jahr nach der Biotop-Optimierung Zauneidechsen auf Flächen gefunden, die vorher nicht besiedelt waren.

Eine weitere Baumaßnahme, die in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden soll, ist die Errichtung einer Biotopfläche mit hochwertigem Magerrasen auf dem früheren Gelände der Tennisanlage des ESV Neuaubing. Die Sportanlage war verlegt worden, um Platz für die dringend benötigte Erschließungsstraße für das Triebwerk München zu schaffen. Der alte Standort
wird nun mit großem Aufwand in ein hochwertiges Biotop verwandelt. Dazu wird zunächst der rote Tennenbelag der ehemaligen Tennisplätze abgeschoben und abtransportiert. Darunter eingelagerter Bauschutt, Kabel und andere Materialien werden entfernt. Danach bringen Fachfirmen zunächst eine Kiesschicht und anschließend eine keimfreie Erdschicht ohne Samen und Wurzeln auf. So soll auch hier eine der vegetationsarmen, aber artenreichen Magerrasenflächen entstehen, die einst für die Münchner Schotterebene so typisch waren und die inzwischen selten geworden sind.

Raum für Wohnen, Kleinbetriebe und Mittelstand

Das Triebwerk München zählt aktuell zu den größten Projektentwicklungen in der Landeshauptstadt. Hier hatte die Deutsche Bahn bis 2001 eines der größten Werke zur Ausbesserung und Instandhaltung von Güter- und Personenwagen, Triebwagen, Bauteilen und Weichen in Bayern unterhalten. Die aurelis als Grundstücksbesitzerin plant in enger Abstimmung mit der Stadt München die Umwandlung des Areals in einen Wohn- und Gewerbestandort mit großer Nutzungsvielfalt für mittelständische Betriebe und Kleinbetriebe. Kernstück des Konzepts ist die Instandsetzung von drei riesigen und teilweise denkmalgeschützten Hallen mit bis zu 22.000 Quadratmetern Grundfläche, die seit 2003 leer stehen und zu verfallen drohen. Im nördlichen Teil des Areals
entsteht außerdem ein Wohngebiet mit bis zu 350 Wohnungen. Dessen Architektur soll das Bild der angrenzenden und ebenfalls denkmalgeschützten „Eisenbahnersiedlung“ fortsetzen.

Kontakt für die Presse

Susanne Heck

Leiterin Marketing & Kommunikation

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