Lösungen für Mieter

Nachhaltigkeit und Nasigoreng

29.01.2020 | Von Dr. Joachim Wieland | Lesezeit: 3 Minuten
Manch ein Asset- oder Property Manager würde vermutlich ganz gerne in die Zukunft blicken können. Vor allem, wenn es um Unternehmensimmobilien geht. Schließlich erleben wir seit Jahren, wie Immobilienkonzepte immer ausgeklügelter werden und das Angebot an möglichen Zusatzservices wächst. Aber welche Leistungen wünschen sich Mieter tatsächlich? Und für welche Ausstattungsmerkmale oder Services wären sie bereit, mehr zu bezahlen? In Ermangelung eines leistungsfähigen Orakels haben wir zusammen mit Bell Consultants unsere Mieter einfach befragt.

54 Prozent der Nutzer prognostizieren für die kommenden drei Jahre einen massiven Anpassungsbedarf des eigenen Geschäftsmodells mit direkten Auswirkungen auf ihre Immobilie und den Flächenbedarf. Weitere 31 Prozent erwarten dies in den nächsten fünf Jahren. Eng damit verknüpft ist der Wunsch nach kürzeren Laufzeiten des Mietvertrags: 80 Prozent möchten sich nicht länger als fünf Jahre binden und somit ihre Flexibilität absichern. Die große Chance für Vermieter aber liegt hier: Für 74 Prozent aller Befragten ist die Anpassung des eigenen Geschäftsmodells mit Flächenerweiterungen – vorrangig in den Bereichen Büro und Lager – verbunden. Wer hier zum richtigen Zeitpunkt die passenden Angebote unterbreiten kann, ist klar im Vorteil.

Reserviert bewertet: Well-Being-Konzepte

Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass Asset Manager in puncto Immobilienkonzept und Vertragsgestaltung Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit an den Tag legen müssen. Wie aber sieht es mit den Aspekten aus, die gemeinhin unter dem Begriff Well-Being zusammengefasst und heiß diskutiert werden? Die Antworten darauf fielen erstaunlich reserviert aus. Das in der Immobilienbranche gern gehypte Fitnesscenter auf dem Areal kommt gerade einmal auf 21 Prozent Akzeptanz. Nur 14 Prozent aller Befragten wären bereit, für Gemeinschaftsräume auf dem Areal mehr Miete zu bezahlen. Und bei Sharing-Konzepten für Geräte wie 3D-Drucker sind es sogar nur acht Prozent.

Im Trend: Nachhaltigkeit, Chillen und Gastronomie

Ganz anders jedoch denken Mieter beim Thema Nachhaltigkeit: 47 Prozent aller Befragten erklärten sich bereit, einen höheren Mietpreis für Flächen in einer „grünen“ Immobilie in Kauf zu nehmen, und zwar bis zu 50 Cent pro Quadratmeter.

Auf Platz zwei der Umfrage mit 32 Prozent lagen qualitativ hochwertige Aufenthaltsflächen im Innenbereich. Wenn die Gewinnung von Fachkräften immer schwieriger wird, zählen weiche Faktoren immer stärker. Hier setzt sich die Erkenntnis durch, dass Wohlfühlen und Chillen auch am Arbeitsplatz möglich sein müssen.

Den dritten Platz teilen sich zwei Themen: Für Nudeln oder Nasigoreng direkt auf dem Areal nähmen immerhin 29 Prozent der Mieter mehr Geld in die Hand – ein gastronomisches Angebot wird geschätzt. Ebenfalls 29 Prozent würden Sharing-Konzepte im Hinblick auf Mobilität unterstützen, also beispielsweise Carsharing als Alternative zum öffentlichen Personennahverkehr.

Wichtig: Datengeschwindigkeit

Bei der Frage, wie wichtig unsere Mieter einzelne Digitalthemen einschätzen, zeigt sich ein klares Bild: Eine sehr hohe Datengeschwindigkeit erachten 91 Prozent aller Mieter als wichtig oder sehr wichtig.

Wenn es um die Möglichkeit geht, die eigenen Energieverbräuche digital zu überwachen, liegt der Wert bei 75 Prozent. Ansonsten müssen die Immobilien jedoch keinesfalls durch und durch „smart“ sein. Über eine Fernsteuerung der Gebäudetechnik würde sich nur etwa jeder vierte Mieter so richtig freuen. Und Zusatzservices wie eine digitale Besucherführung auf dem Gelände fallen eindeutig in die Schublade: „nettes Gadget“.

All diese Ergebnisse zeigen eines ganz eindeutig: Die Bedürfnisse der Mieter sind deutlich weniger exotisch, als man annehmen könnte. Die Erkenntnis für den Asset Manager? Sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: eine ökologisch verantwortungsvolle Immobilie, leistungsfähige Datenleitungen, Räumlichkeiten, in denen man sich gerne aufhält, gastronomische Versorgung in der Nähe. Und darüber hinaus ein offenes Ohr für die aktuellen Entwicklungen beim jeweiligen Mieter. Vieles, was zurzeit in den Immobilienfachmedien als zentrale Zukunftstechnologie gehandelt wird, hat seinen Weg noch nicht auf die Wunschliste der Unternehmen gefunden. Und ob das jemals passieren wird, ist fraglich.