06.04.2017 von Dr. Joachim Wieland

“Zentrumsnähe steht hoch im Kurs“

DIE IMMOBILIE Sonderpublikation "Rendite aus der Nische" | April 2017

DIE IMMOBILIE: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf das Logistikimmobilien-Business aus?

Joachim Wieland: Konsumenten bestellen heute vermehrt online. Das lässt das Liefervolumen für die KEP-Dienstleister – also Kurier, Express, Paket – stark steigen. Weil die Kunden die Ware sehr schnell erwarten, verändern sich die Anforderungen an die Lage von Logistikimmobilien. Neben Zentren außerhalb oder in Cityrandlagen stehen inzwischen zentrumsnahe Einheiten für die sogenannte „last mile distribution“ hoch im Kurs. Diese Einheiten sind zwar kleiner, aber durch ihre Lage bezogen auf den Quadratmeterpreis teurer als großflächige Zentren.

DIE IMMOBILIE: Und welche Anforderungen stellt „Urban Production“ an Industrie-Immobilien?

Joachim Wieland: Der Name sagt es bereits: Der Standort darf aufgrund neuer, immissionsarmer Produktionsprozesse urban, also zentral sein. Die
Immobilien sollten zudem flexibler als herkömmliche Industrie-Immobilien sein, da etwa eine Kombination von Produktions-, Logistik- und Büroflächen möglich sein muss.

DIE IMMOBILIE: Welche Flächen verlangt der „Citylogistik“-Trend?

Joachim Wieland: Je näher die Logistik an die Innenstadt heranrückt, desto kleinteiliger muss sie werden. Flächen für Citylogistik sind meist unter 10.000 Quadratmeter groß. Zudem können sie auch in weniger beliebten Geschossen, wie im Erdgeschoss oder im Souterrain, ihren Platz finden. Solche Hybridimmobilien werden immer häufiger werden.

DIE IMMOBILIE: Wann akzeptieren Städte und Kommunen Logistikimmobilien in Innenstadtnähe?

Joachim Wieland: Freiflächen sind in Ballungsgebieten knapp. Und je weniger Flächen verbraucht werden, desto höher ist die Akzeptanz. Die Logistikimmobilie sollte sich zudem architektonisch in die umliegende Bebauung einfügen, und es sollten wenig Lärm und Abgase von ihr ausgehen. Auch muss für die zusätzliche Verkehrsbelastung eine adäquate Lösung gefunden werden. Am einfachsten sind KEP-Nutzungen in Quartieren oder Gewerbeparks in Innenstadtrandlagen integrierbar. Ein wichtiger Schritt ist auch die Novelle des Baugesetzbuchs: das Urbane Gebiet. Dies vereinfacht in Innenstädten Verdichtung, Aufstockung und das Zusammenrücken von Nutzungen.

Dr. Joachim Wieland, CEO
Susanne Heck
Leiterin Marketing & Kommunikation
Mergenthalerallee 15-21
65760 Eschborn
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